Wolfsburgs Torfrau Merle Frohms: Mit mentaler Stärke zum Triple? | NDR.de – Sport

Stand: 24.10.2022 09:32 Uhr

Auch Nationaltorhüterin Merle Frohms ersetzt Almuth Schult beim VfL Wolfsburg. Dass die Zuschauer nach dem EM-Hype massenhaft in die Bundesliga kamen, „haben wir uns mit hochklassigen Spielen verdient“, so der Vize-Europameister.

von Andreas Bellinger

Es war einer dieser Tage zum Genießen – und das zeigte sich in Merle Frohms. Der ewige Gegner Bayern München wurde in der Top-Frauen-Bundesliga mit 2:1 geschlagen, hielt den Sieg trotz der „unnötig angespannten“ Schlussphase und wurde schließlich in der Wolfsburg-Arena vom Publikum begeistert gefeiert. „Wir haben es uns verdient“, sagte der Vize-Europameister beim NDR Sportclub, der nach einigen Umwegen die Nummer eins in der Nationalmannschaft und seit dieser Saison auch beim VfL Wolfsburg ist.

Sieg über die Bayern vor großem Publikum

„Wir haben bestätigt, dass es sich lohnt, in unser Stadion zu kommen“, sagt die 27-Jährige, der die Zufriedenheit, dass der EM-Hype noch nicht verflogen ist, ins Gesicht geschrieben steht. Die VfL-Frauen spielten zunächst vor mehr als 20.000 Zuschauern bei der Meisterschaft in dem Stadion, das sonst nur von den „Wölfen“ von Trainer Nico Kovac genutzt wird. Exakt 21.287 Fans kamen – der Bundesliga-Rekord der Partie zwischen Eintracht Frankfurt und dem FC Bayern (23.200) wurde zwar verfehlt, aber es habe sich gezeigt, dass die Zuschauer nicht nur wegen des EM-Booms kommen, sagt Frohms, „sondern auch, weil wir Sorge für qualitativ hochwertige Spiele”.

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Die Fußballer des VfL Wolfsburg feiern das Tor von Svenja Huth (2.v.r.) zum 2:0 gegen den FC Bayern München © IMAGO / region24

Die Fußballmannschaft des VfL besiegte den Vizemeister mit 2:1 und führte die Tabelle weiterhin ohne Niederlage an. See

Kellermann über TV-Vertrag: „Die Sprunghöhe war nicht marktgerecht“

„Aber wir müssen weitermachen und werben“, mahnt Top-Torschützin Alexandra Popp und bekommt sofort Unterstützung von ihrer Teamkollegin: „Wir müssen auf dem Platz gut abschneiden, dann müssen die Vereine und die Liga das Richtige finden rahmen.” Ein neuer TV-Vertrag wurde bereits unterzeichnet und ab der Saison 2023/24 steigen die Einnahmen der 12 Clubs um den Faktor 16 auf 5,175 Millionen Euro pro Jahr. Wirtschaftlich und von der Sichtbarkeit her war es ein tolles Ergebnis, aber er Dafür nicht gelobt, sagte Wolfsburgs Sportvorstand Ralf Kellermann im NDR, denn: “Die Sprunghöhe war wirklich nicht mehr marktgerecht.”

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Die Frauen-Bundesliga, deren Klubs sich noch auf den Verteilungsschlüssel einigen müssen, liegt hinter der englischen Women’s Super League (9 Millionen Euro pro Jahr) und der spanischen Liga (8 Millionen Euro) auf dem dritten Platz der Top-Ligen. Aber natürlich kommt der Vertrag nicht an die Männer-Bundesliga heran, die mit 930 Millionen Euro 180-mal so viel wert ist.

Wenig Spaß in Matches am Montag

Auch einen Weg zum Schlucken gibt es: Künftig soll es im Free-TV ein Montagsspiel um 19.30 Uhr geben, das allerdings nach zahlreichen Protesten – vor allem der Fans – bei den Männern abgesagt wurde. „Es geht nicht nur um die Zuschauer“, sagte Almuth Schult, die bei der WM in Katar als Expertin für die ARD tätig war, bevor sie im Frühjahr für Angel City FC in die amerikanische National Women’s Soccer League (NWSL) nach Los Angeles zurückkehrte. abspielen. „Wir haben in der Bundesliga das Problem, dass viele Spieler noch außerhalb des Fußballs arbeiten müssen.“

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Torhüter wegen der bunten Pullover

Merle Frohms gehört nicht dazu. Für geschätzte 40.000 Euro im Jahr kann sie von ihrem Sport leben, wenn auch bescheiden im Vergleich zu den Männern. Schon als sie laufen konnte, war klar, dass sie einmal Fußballerin werden würde. „Wir haben jede freie Minute im Garten Fußball gespielt“, sagt Bruder Lasse und verhehlt nicht, dass seine Schwester immer mittendrin sein wollte. “Aber sie musste ins Tor, ich durfte darauf schießen.” Merle Frohms startete ihre Karriere mit fünf Jahren bei Fortuna Celle. Natürlich im Ziel. „Die Feldspieler hatten so langweilige Trikots, dass der Torwart komplett bunt war. Das fand ich so schön und wollte es tragen.“ Und schon war sie in der Kiste. Zwei Jungs verloren gegen den einzigen Spieler im Verein, erinnert sich ihr erster Trainer, Heinrich Fuchs. Das blieb bis 2011 so, auch in der Bezirksliga spielte sie nur mit Jungs. Dann meldete sich Kellermann, damals noch Trainer des VfL Wolfsburg, und holte den 16-Jährigen in den Bundesliga-Kader. „Sie war sportlich und hatte ein sehr gutes Springvermögen. Es hat alles gepasst.“

Über Umwege zurück nach Wolfsburg

Wenn Almuth Schult nicht ein unüberwindbares Hindernis gewesen wäre. Obwohl Frohms auch DFB-Pokalsiegerin Nummer zwei, Deutsche Meisterin und Champions-League-Siegerin war, durfte sie fast nie spielen. “Soll das für immer so bleiben?” fragte die damals 23-Jährige und obwohl sie sich in der Auto-Stadt, nur wenige Kilometer von ihrer Heimatstadt Celle entfernt, sehr wohl fühlte, wechselte sie 2018 nach sieben Jahren zum VfL. und zwei Jahre später zu Eintracht Frankfurt. Dort entwickelte sie sich zu einer Top-Keeperin, die nebenbei BWL im Fernstudium studiert und auch einen Trainerschein vorweisen kann.

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Kellermann „tief beeindruckt“

In der Nationalmannschaft nutzte sie schließlich die Elternzeit von Schult und zeichnete sich nicht nur bei der Europameisterschaft als Nummer eins im Team von Bundestrainerin Martina Voss-Tecklenburg durch hervorragende Leistungen aus. „Ich hatte die volle Unterstützung des Trainerteams und wollte das Selbstvertrauen natürlich zurückgeben“, beschreibt sie ihre Motivation, bei der Versagensängste keine Rolle spielen. „Almuth Schult war immer dabei“, sagt Kellermann. „Viele haben nur darauf gewartet, dass Merle einen Fehler macht. Ich war tief beeindruckt, wie sie diesem mentalen Druck standgehalten hat.“

Frohms: „Auch international angreifend“

Schon vor ihrer glorreichen EM war klar, dass sie in dieser Saison Schult im Wolfsburger Tor ersetzen würde. Die Arbeit mit einem Mentaltrainer half ihr, “bei mir zu bleiben”, sagt sie, als Erfolgsrezept, denn “ich kann nur das beeinflussen, was in meiner Macht steht”, sagt Frohms, die als eher zurückhaltend und introvertiert gilt. „Aber sie weiß genau, was sie will“, sagt Kellermann. Das Triple aus Pokal, Meisterschaft und Champions League zum Beispiel: „Wir wollen an das Double vom Vorjahr anknüpfen“, sagt sie, „und auch international angreifen.“

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Ewa Pajor (VfL Wolfsburg) feiert nach ihrem Tor.  © IMAGO / regionen24

Ewa Pajor, Lena Lattwein und Jill Roord sicherten den Niedersachsen beim 4:0 gegen St. Pölten im ersten Gruppenspiel den Sieg. See

Dieses Thema im Programm:

Sportverein | 23-10-2022 | 22:50 Uhr

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