Todestag der Chanson-Sängerin vor 25 Jahren – Barbara – mit Musik in die dunklen Zonen des Innenlebens

Fotografie der französischen Chansonsängerin und Komponistin Barbara, im September 1965

Die französische Sängerin und Chanson-Komponistin Barbara, aufgenommen im September 1965 (Picture Alliance / dpa / London Express)

Das Einzige, was ihr niemand nehmen konnte, waren ihre Erinnerungen. Als Monique Serf, alias Barbara, ihr Dosenleben veränderte. Sie schrieb als erste Frau eigene Lieder und durchbrach Anfang der 1960er Jahre diese Domäne männlicher Chansonautoren. Sie verwendete eine einfache und direkte Sprache für ihre Texte. Barbara schrieb fast dreihundert Chansons, aber nur etwa ein Dutzend waren berühmt. Sie spielte es mehrmals, um es „vom Wandel der Zeit imprägnieren zu lassen“, wie sie es ausdrückte.

Monique Andrée Serf wurde am 9. Juni 1930 in Paris geboren. Schon als Kind träumte sie davon, in Varietés aufzutreten. Aber es war ein langer und harter Aufstieg: Zehn Jahre lang ging sie durch kleine Kabaretts, zuerst in Brüssel, dann in Paris. „Nur meine Songs sprechen über mich. Du sprichst für mich.“

In Paris hatte sie mehrere Gesangsstunden, aber nie Klavierunterricht, sie spielte alles „nach Gehör“. Aber genau deshalb war Barbara so anders als Brel oder Brassens. Sie fand ungewöhnliche Akkorde, ohne die Regeln zu kennen, und hörte viel Jazz. Sie war lange Zeit die einzige Frau, die sang und sich selbst am Klavier begleitete. Ihre größte Sorge war immer ihre Stimme.

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Für sie war „die Stimme die Musik der Seele“. Sein Publikum erkannte sich sofort in seiner Meditation über verlorene Illusionen wieder. Im Alltag war sie aber keineswegs so traurig wie im Chanson „Nantes“ oder in „Dis quand reviendras-tu?“, sondern im Gegenteil sehr lebendig, witzig, lebensbejahend. Mit dem Album „Barbara chante Barbara“ gewann sie 1964 den Großen Schallplattenpreis.

Sie brauchte viele Jahre, um das Trauma zu verarbeiten

Sie war noch keine elf Jahre alt, als ihr Vater ihn sexuell missbrauchte, und sie hatte große Angst vor ihm. “Eines Nachts in Tarbes ist meine Welt zerstört. Ich bin zehneinhalb Jahre alt.“ Sie brauchte viele Jahre, um dieses Trauma zu verarbeiten, das Verbrechen zu „reinigen“, wie sie es nannte. “Die Bühne ist der einzige Ort auf der Welt, an dem ich nie gelitten, nie darüber nachgedacht habe.”

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Interviews gab sie selten. Sie sprach nie über ihre jüdische Herkunft, ihre Kindheit und Jugend oder ihre Eltern. Als Kind war sie nie mit ihrer Mutter spazieren gegangen, daran erinnerte sie sich. „Schon in jungen Jahren dachte ich, Jude zu sein bedeutet nicht, einer Religion oder einem Volk anzugehören, sondern abgelehnt zu werden. Um der Verfolgung zu entgehen, musste man still sein, sich verstecken, sich selbst retten. Daher mein Sinn für Mysterium, für den Untergrund, für das Verletzliche.”

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Als Gunther Klein, Intendant des Jungen Theaters in Göttingen, sie in Paris leben sah, lud er sie nach Deutschland ein und sie trat in Göttingen auf. In dem kleinen Garten beim Theater schrieb sie das berühmte Chanson „Göttingen“ aus „tiefem Wunsch nach Versöhnung, aber nicht aus Vergessen“, wie sie es ausdrückte. Sie sang danach sogar auf einer Platte mit dem deutschen Text darüber.

Mit der von ihr gemachten Musik betrat sie die dunklen Zonen des Innenlebens ihrer Zuhörer. Nichts, keine Spur von Wiederholung, Berechnung oder Affekt. Auf der Bühne blätterte sie in ihrem persönlichen Tagebuch. “Meine ganze Energie soll in die Chansons fließen und nur in sie.” Am 24. November 1997 starb die als Barbara bekannte Frau selbst in Paris.

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