Streamingdienst von Deutsche Grammophon: Zuwachs für digitale Klassik-Welt

DDie Autokino-Konzerte verschwanden so schnell, wie sie in der pandemiebedingten Live-Zwangspause aufgetaucht waren. Aus kostenpflichtigen, professionell produzierten Streaming-Shows – ob als eigenständiges Event oder zusätzlich zum eigentlichen Live-Erlebnis – manche Leute in der Musikbranche erwarten hingegen langfristig gute Geschäfte.

Die Idee war 2020 nicht neu, aber plötzlich war sie in vollem Gange. Auch in der Klassik gab es Konzepte. In Deutschland spielen beispielsweise die Berliner Philharmoniker seit 2008 regelmäßig in ihrer „Digital Concert Hall“. Verantwortlich für das Projekt war lange Zeit Robert Zimmermann. Seit Anfang 2021 arbeitet er für die 1898 gegründete Deutsche Grammophon (DG), eines der größten Klassik-Labels der Welt und Teil von Universal Music. Hier ist er auch einer der Köpfe hinter einer neuen Video- und Audioplattform namens Stage+.

Im Gegensatz zu dem während der Pandemie relativ schnell entstandenen Projekt „DG Stage“, bei dem Nutzer Tickets für Streaming-Konzerte einzeln kaufen mussten, handelt es sich bei Stage+ um einen klassischen Streaming-Dienst. Es kostet 14,99 Euro pro Monat für einen Einzelnutzer und ist damit 5 bzw. 4 Euro (Apple Music) teurer als die großen etablierten Musikdienste.

Den Kern des Angebots bilden wöchentlich neue Aufführungen verschiedener Orchester, Dirigenten und Interpreten aus verschiedenen Häusern. Die Plattform soll auch Archivinhalte, Interviews und Dokumentationen anbieten. Ebenfalls am Start ist eine „kuratierte Auswahl des DG- und Decca-Katalogs mit den im Live-Konzertbereich tätigen Künstlern und den historischen Referenzaufnahmen“. Alles „in bestmöglicher Qualität“, wie es in der Aussage heißt, mit Blick auf eine anspruchsvolle Zielgruppe, Audiophile, die über die entsprechende HiFi-Ausstattung verfügen, um die anspruchsvolle Ton- und Bildqualität überhaupt genießen zu können.

Auch Lesen :  Tränen im Taxi: Was Pietro Lombardi HIER verschenkt | Unterhaltung

Qualität als Unterscheidungsmerkmal

„Viele Künstler“ haben bereits ihre Begeisterung zum Ausdruck gebracht, da die neue Plattform es ermögliche, „ihre Arbeit ganzheitlich im virtuellen Raum zu dokumentieren“ – „egal ob Live-Auftritt, Albumaufnahme, Videomusik, Interview oder Backstage. Content“, wird Labelchef Clemens Trautmann in der Mitteilung zitiert. Der Chef von Universal Music Europe, Frank Briegmann, weist auf das Potenzial des Marktes hin: „Das Interesse an überzeugenden Online-Angeboten für klassische Musik ist groß“, Stage+ werde „den virtuellen Raum für neue klassische Musik neu definieren“.

Vermutlich werden die Macher mit der Qualität der App, den exklusiven Inhalten und dem klangvollen Namen der Deutschen Grammophon und namhaften Künstlern wie dem Pianisten Lang Lang, dem Katalog der Geigerin Anne-Sophie Mutter oder dem Dirigenten überzeugen können Daniel Barenboim. Denn es gibt bereits auf Klassik und höchste Klangqualität fokussierte Audiodienste, die neben dem Katalog des universellen Klassik-Labels auch einige Videoversionen anbieten.

Auch Lesen :  Herzogin Meghan: Neues, bisher ungesehenes Foto aufgetaucht

Konzerte sind beispielsweise in den Mediatheken der öffentlich-rechtlichen Sender zu sehen. Zudem konkurrieren breit aufgestellte Abo-Streaming-Plattformen wie Myfidelio oder Symphony um Klassik-Fans, die Konzerte vom Sofa aus erleben wollen. Ab Mai 2020 bietet Idagio, der nach eigenen Angaben “weltgrößte” Audio-Streaming-Dienst für klassische Musik ist, auch ein Video-Abonnement an. 2021 hat Apple den Audiodienst Primephonic übernommen. Der Launch von Apples neuem Klassiker-Angebot steht natürlich noch aus. Auch der kleine HiFi-Dienst Qobuz hat einen guten Ruf für klassische Musik.

Eine großartige Ressource in digitalen Angelegenheiten

Nach Angaben des Bundesverbandes der Musikindustrie entfielen im Jahr 2021 1,9 Prozent des Gesamtumsatzes mit Tonträgern auf das Genre Klassik in Höhe von 1,96 Milliarden Euro. Ein kleiner Wert (2012 lag er noch bei 6,7 Prozent), auch wenn man von der Unterteilung in Genres absieht, die natürlich nicht immer bis ins kleinste Detail möglich ist.

Das Besondere aber ist die Bedeutung physischer Tonträger: Während im vergangenen Jahr 76,4 Prozent der Umsätze (68,3 Prozent allein über Streaming) digital generiert wurden – Tendenz weiter steigend – verkauft sich klassische Musik weiterhin besser als andere Genres. auf CD, was einer der Gründe für den Rückgang im Gesamtvergleich ist.

Nach Angaben des Bundesverbandes Musikindustrie BVMI betrug der physische Umsatzanteil am gesamten Klassikmarkt in Deutschland im vergangenen Jahr rund zwei Drittel des Umsatzes. Im laufenden Jahr liegt sie derzeit niedriger, aber immer noch deutlich über der 50-Prozent-Marke. Laut einem Universal-Sprecher ist die Klassik-Sparte von Universal Music im deutschen Markt „viel digitaler“ als der Gesamtmarkt. Das Potenzial digitaler Angebote scheint also groß zu sein.

Auch Lesen :  Nach Telefonat mit Apple-Chef: Elon Musk begräbt das Twitter-Kriegsbeil

Nicht umsonst gibt es gerade für klassische Musik eine Reihe von Fachdiensten. Klassische Musik hat es schwer gegen die Platzhirsche Spotify, Apple, Amazon oder Youtube Music. Dies liegt auch daran, dass die Funktionen der Dienste nicht direkt auf die Bedürfnisse von Klassik-Fans ausgerichtet sind.

Statt nach einem Interpreten, einem Song oder einem Album zu suchen (die Popwelt hat immer wieder die mangelnde Sichtbarkeit von Sängern im Hintergrund kritisiert), suchen Klassik-Hörer eher nach konkreten Aufnahmen von Werken, nach Bewegungen, nach ausgewählten Dirigenten, unter einem Orchester. oder die Rollen in den Musicals.

Natürlich will nach wie vor jeder auf den großen Plattformen vertreten sein. Auf die große Reichweite, das dauerhafte Einkommen oder die oft enormen Einnahmen und den Kontakt zu einer jüngeren Zielgruppe möchte niemand verzichten.

Source

Leave a Reply

Your email address will not be published.

In Verbindung stehende Artikel

Back to top button