Lachgas: Wie schädlich ist Lachgas als Droge?

sEin Name, der unbeschwert klingt, und tatsächlich kann Lachgas vorübergehend Licht spenden. Deshalb hat es mittlerweile den Weg vom Operationssaal auf den Schulhof gefunden, wo es als Narkosemittel eingesetzt wird. Jugendliche, auch Studenten, inhalieren Lachgas als Droge. Es kann aber auch süchtig machen – und als Vitaminpille sogar Nervenschäden verursachen. Niederländische Kliniken melden zunehmend Patienten mit Lähmungen und Sensibilitätsstörungen als Folge von Missbrauch.

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„Der zunehmende Konsum von Ecstasy in einigen Teilen Europas ist besorgniserregend“, warnt Alexis Gosdale in einem aktuellen Bericht des European Medicines Monitoring Centre (EBDD). Die Niederlande, wo Lachgas die am häufigsten konsumierte Droge bei Vorschulkindern ist, scheinen beim Konsum führend zu sein. Besitz und Verkauf sind ab Januar 2023 verboten. Das teilte das Gesundheitsministerium in Den Haag nun mit.

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Aber auch der Verbrauch in Deutschland steigt. In Großstädten wie Frankfurt berichten Entsorgungsunternehmen, dass sie häufig die Straßen von Ballons und Kartuschen reinigen, aus denen Gas verbraucht wird.

Leere Patronen auf der Straße in Frankreich

Leere Patronen auf der Straße in Frankreich

Quelle: Image Alliance/dpa/Zuma Press

Doch wie kam es auf die Schulhöfe und wie kommen die Schüler an das neue Medikament? Die Antwort ist einfacher als manche denken: Sie kaufen es im Supermarkt oder bei Internethändlern wie Amazon – wo sie Lachgaskartuschen als Aufheller für Sahne verkaufen.

Je nach Größe gibt es sie schon ab 50 Cent. Denn Lachgas wirkt auch als Treibmittel. Es ist schwierig, das als Lachgas bekannte Medikament billig zu verkaufen, ohne mit dem Gesetz in Konflikt zu geraten. Eine kurze Suche im Internet reicht jedoch aus, um auf Websites zu stoßen, die es offen als Partydroge empfehlen.

Lachgas als Partydroge

Doch nicht nur die leichte und günstige Verfügbarkeit macht Lachgas als Medikament attraktiv. „Der besondere Reiz liegt in der kurzen Wirkungsdauer“, erklärt Norbert Scherbaum, Professor für Klinische Suchtforschung am LVR-Universitätsklinikum Essen. Bei den meisten anderen Drogen muss man einen Langzeitrausch befürchten oder sich mühsam langsam absetzen. Bei Lachgas ist dies nicht der Fall, da es schnell eingeatmet wird. „Nach ein paar Minuten ist alles vorbei“, sagt der Psychiater.

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Die meisten Menschen empfinden den Rausch als mild und angenehm, wie eine Trance oder angenehme Entspannung. Auch Lachattacken, Euphorie und extreme Emotionen werden beschrieben. Wie bei allen Arzneimitteln hängt es jedoch stark von der Umgebung und dem Benutzer und den Erwartungen ab, die er an den Konsum von Lachgas hat. Insgesamt sind die Effekte aber nicht signifikant, verglichen mit beispielsweise Kokain oder Euphorie. Daher ist es für erfahrene Drogenkonsumenten nicht von Interesse. Wie der EU-Drogenexperte Gosdale erklärt, ist es ein lustiges, ausgelassenes Event für Schulkinder und Studenten, die ansonsten wenig oder gar keine Erfahrung mit Drogen haben.

Das heißt aber nicht, dass Lachgas harmlos ist. Selbst die Verwaltung ist nicht schwierig. „Wer direkt an der Kartusche hängt, riskiert traumatische Verletzungen an Mund, Zunge, Rachen und Bronchien“, warnt Scherbaum. Der Grund ist die Verdunstungskühlung, die auftritt, wenn das Gas mit hohem Druck durch die Flasche strömt.

In der Regel wird es zunächst in Luftballons gefüllt, um Zeit zum Aufheizen zu haben. Ungeduldige inhalieren es allerdings direkt aus der Flasche – dann sind Frostschäden vorprogrammiert, da die Lippen an der Kartusche anfrieren.

Lachgas ist nicht ungefährlich

Noch größer ist jedoch das Risiko eines schweren Sauerstoffmangels, der durch das Einatmen von reinem Gas entsteht. In der Medizin wird immer ein Gemisch aus Lachgas und Sauerstoff verwendet. Aber nicht auf Partys. Manche Liebhaber von Lachgas atmen sogar ohne Unterbrechung aus dem Ballon, weil sie besonders nach Sauerstoffmangel suchen und die Bewusstseinswolke schließen.

Sie fühlen sich fast müde, und einige nennen es langweilig oder entspannend. Allerdings sind sie in diesem Fall anfällig für Stürze und Unfälle, und wenn auf einer Party bis zu 100 Luftballons aufgeblasen werden, kann dieser Zustand auch mal länger anhalten. „Viele Verbraucher übersehen, dass sie nach dem Einsatz von Lachgas niemals Rad fahren oder Auto fahren sollten“, berichtet Scherbaum.

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Wenn das Gas in großen Mengen aufgenommen wird, kann es schwere Schäden am Nervensystem verursachen. “In unserer Abteilung für Neurologie sehen wir viele Patienten mit neurologischen Problemen aufgrund des Freizeitkonsums von Lachgas”, berichtet Ann Brugens von der Universität Maastricht. In einigen Fällen gibt es Hinweise auf Lähmungen, Wahrnehmungsstörungen und sogar eine Degeneration des Rückenmarks.

Der Grund: Lachgas reagiert mit Vitamin B12 und hemmt so die Bildung von Methionin, das für die Bildung der Myelinscheiden notwendig ist, die Nervenimpulse schützend umgeben. Daher erfolgt die Behandlung von neurologischen Symptomen durch intravenöse Vitamine. “Dann erholen sich die Patienten in der Regel wieder”, sagt Brüggens. Es gab jedoch einige in der Klinik, die dauerhafte Probleme beseitigten.

Darüber hinaus kann der wiederholte Konsum von Lachgas süchtig machen. Nicht körperlich wie Heroin oder Alkohol. „Aber es besteht die Gefahr einer psychischen Abhängigkeit“, warnt Scherbaum, der auch Direktor des Deutschen Zentrums für Suchtrisiken ist. Er betont, dass dies in Deutschland bisher sehr wenig getan worden sei. Vergleichen Sie das mit den Niederlanden, wo Brüggen bereits junge Menschen behandelt hat, die mehr als 300 Lachgaskartuschen pro Woche konsumiert haben. Hinzu kommt wohl eine hohe Dunkelziffer. Denn Lachgas als „Medizin für zwischendurch“ lässt sich unbemerkt in den Alltag integrieren.

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