Fanforscher zum Fahnen-Eklat: Provokationen im Sport aushalten

Am vergangenen Wochenende kam es in Heimstetten zu einem Eklat in der bayerischen Fußball-Landesliga zwischen Turku München und dem FC Bayern München II. Zwei Minuten nach Anpfiff wurde das Spiel unterbrochen und schließlich abgebrochen, nachdem Bayern-Fans ein Transparent mit der Aufschrift „FC Bayern Fanclub Kurdistan“ aufgerollt und sich auf Aufforderung der Polizei geweigert hatten, es der Polizei auszuhändigen.

Türkgücü scheint von der Fahne provoziert zu sein

Für den türkischstämmigen Türkgücü-Klub war das offenbar eine unerträgliche politische Provokation. In einer schriftlichen Stellungnahme des Vereins heißt es: „Wir, ein Sportverein Türkgücü München, konzentrieren uns auf Sportbelange und lehnen es entschieden ab, dass Fußballspiele oder Stadien von verschiedenen Organisationen als Plattformen für politische Meinungsäußerungen praktiziert werden.“

Vor dem Spiel wies der Club die Verantwortlichen des FC Bayern München II darauf hin, dass Türkgücü als Gastgeber des Spiels von seinem Aufenthaltsrecht Gebrauch machen und das bereits im Hinspiel öffentlich angebrachte Plakat gegebenenfalls entfernen lassen werde. Ein solches Vorgehen ist in Deutschland durch die innerstaatlichen Regelungen abgedeckt.

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Fanforscher: Sport ist Politik

In diesem Zusammenhang hat ein Fanforscher vom Institut für Sportwissenschaft der Universität Würzburg, Prof. Harold Lange rät zu mehr Gelassenheit. Sport und Politik gehören untrennbar zusammen: „Sport ist politisch. Es gibt Meinungsfreiheit – auch bei Sportveranstaltungen. Provokationen gibt es immer. Und wer sie nicht ausstehen kann, sollte auch nicht ins Stadion gehen.

Das Recht auf freie Meinungsäußerung ist im Grundgesetz verankert. Die Grenzen des guten Geschmacks können und sollen laut Lange bewusst ein Stück weit überschritten werden. Türkgücü reagierte aus wissenschaftlicher Sicht sehr sensibel auf das Münchner Unrolled Banner.

Aus rechtlicher Sicht hat das Thema schließlich viele Menschen in den Blickpunkt gerückt, wobei die Durchsetzung des Wohnrechts den Verein berechtigt. Türkgücü bestand darauf, das Münchner Plakat komplett zu entfernen. Es reicht nicht aus, dass der Host das Banner rollt. Als die eigenen Ordner der FCB-Fans nicht auftauchten, schritt die Polizei ein.

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Haritaharam kritisierte das Vorgehen der Polizei im Landtag

Die Kritik an dieser Mission reißt nicht ab. Derweil fragte Maximilian Deisenhofer von den Grünen im Landtag bei der bayerischen Staatsregierung nach dem Anteil des Vorgehens der Sicherheitskräfte. Andererseits setzte die Polizei Pfefferspray und Schlagstöcke ein. Ergebnis: Neun leicht verletzte FCB-Fans und zehn Polizisten leicht verletzt.

Auch Fanforscher Lange kritisierte das Vorgehen in einem Interview mit dem BR. „Aus meiner Sicht ist das Banner-Statut nicht verfassungswidrig. Jeder, der Fußballspiele besucht, weiß, dass Zaunbanner den Fans heilig sind. Das Landeskriminalamt ermittelt derzeit zum Vorgehen der Polizei. Die Kriminalpolizei ermittelt gegen die Fans wegen Körperverletzung, Ruhestörung und Sachbeschädigung nach Vandalismus an einer Werbetafel.

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Politik bei der WM: „Das unangenehme Knie“

Im Weltfußball dreht sich derzeit alles um Politik: Am Montag gab der Weltfußballverband FIFA bekannt, dass Spieler, die die sogenannte “One Love Armbinde” tragen, während der laufenden WM bestraft werden. Die Band soll ein Beispiel für Vielfalt und Toleranz sein.

Nach einer Drohung der Fifa hat der Deutsche Fußball-Bund entschieden, dass Mannschaftskapitän Manuel Neuer den Verband während der Spiele nicht tragen darf. „Das ist eine echte Ironie! Was für ein Protest seitens des DFB? Das Tragen der ‚One Love Bandage‘ wurde zu früh angekündigt. Ein peinliches Knie des Deutschen Fußball-Bundes vor der FIFA“, kritisierte der Würzburger Sportwissenschaftler.

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