Erstaunlich gut erhaltene Römer-Heizung – wissenschaft.de

Als ob es gestern funktioniert hätte: Archäologen haben unter einer Straße in Bonn eine überraschend gut erhaltene Fußbodenheizung aus der Römerzeit entdeckt. Unter dem Boden bilden Ziegelpfeiler noch Hohlräume, in denen einst warme Luft zirkulierte. Nach weiteren Erkenntnissen soll dieser sogenannte Hypocaust einst ein majestätisches Gebäude isoliert haben. Vielleicht war es ein Badehaus in der Nähe des Legionslagers Castra Bonnensis, glauben Experten.

In dem während der Bauarbeiten geöffneten Graben wird der antike Boden sichtbar, unter dem sich die Heizungsanlage befindet. © Marcel Zanjani/LVR Landesdenkmalpflege Rheinland

Die Wasserleitungen mussten ausgetauscht und neue Rohre verlegt werden: Mit Bauarbeiten begann die heutige Geschichte des Fundes in der Pfährer-Merckstraße im Bonner Stadtteil Frisdorf. Da es sich um ein Gebiet handelte, für das bereits Fundstellen vorhanden waren, wurden die Arbeiten von Archäologen der Firma „Fundort“ und dem Amt für Denkmalpflege im Rheinland (LVR-ABR) begleitet. Wie sich herausstellte, hat es sich gelohnt: Das faszinierende Gebilde entstand tatsächlich am Boden eines offenen Kabelgrabens. Es war eine ebene Fläche, die sich als antiker Boden herausstellte. Eine schmale Öffnung im römischen Boden enthüllte, dass sich unter der Oberfläche ein Hohlraum befand. Archäologen benutzten dann Videokameras, um es zu untersuchen.

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Kein Müll oder Hacks

Was dabei herauskam, war überraschend. Tatsächlich sind römische Gebäude mit Fußbodenheizung im Rheinland gar nicht so ungewöhnlich. „Aber meist ist der Boden eingestürzt oder der Hohlraum anderweitig verfüllt worden“, sagt Jens Berthold vom LVR-ABR. In diesem Fall blieben jedoch die Strukturen des Hypocausts unter dem antiken Boden vollständig erhalten. „Dieser Fund ist etwas Besonderes“, betont Berthold. Insbesondere stellte sich heraus, dass der Estrich noch auf 65 Zentimeter hohen Ziegelsäulen ruht, die in regelmäßigen Reihen auf dem Boden verlegt sind. Zusätzlich wurden zwischen dem Estrich und den Stützen Abdeckklinker eingebaut, die der Wärmespeicherung dienten. Wie Experten erklären, könnte die Wärme, die der Kamin an der Westseite des Raums erzeugt, zwischen den Säulen zirkulieren.

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Neben dem Fußbodenheizungsraum wurden auch die Fundamente zweier weiterer Räume freigelegt und Archäologen konnten einen Abschnitt einer antiken Wasserleitung dokumentieren. Dabei entdeckten sie auch viele Fragmente von bemalten Putzwänden, die von der offensichtlich durchdachten Innenausstattung der Räume zeugen. Bodenradarstudien zeigten auch, dass es sich um ein elegantes Objekt gehandelt haben muss. Mit dieser Methode können Strukturen im Boden ohne Aushub identifiziert werden. Die Strukturen im Radarbild zeigen dem Team zufolge, dass sich die Fußbodenheizung vermutlich einst unter dem Apsisraum befand. Die vollen Dimensionen des Raums und der Heizung bleiben jedoch unklar, da Strukturen an der Oberfläche die Messbarkeit einschränken, sagen Archäologen.

Gab es ein Badehaus?

Anhand der im 19. Jahrhundert entdeckten Mauerreste vermutete man bereits, dass an der Stelle, an der sich die Funde heute befinden, einst ein Prachtbau stand. Die Rede war von einem römischen Landgut – der sogenannten Villa rustica. Die neuen Erkenntnisse lassen aber eine andere Möglichkeit plausibel erscheinen: „Vielleicht haben wir es hier, südlich des Legionslagers, auch mit einer kleinen Badeanlage zu tun“, sagt Bertholdt. Doch um genaueres sagen zu können, müsse man die Ergebnisse der Ausgrabungen zunächst genauer einschätzen, sagen Experten.

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Obwohl die Heizstruktur so lange unverfüllt blieb, wollen Archäologen das nun ändern: Die Hohlräume sind mit sogenannter flüssiger Erde gefüllt. „Damit soll nicht nur verhindert werden, dass das Land versinkt, sondern vor allem dieser besondere Fund erhalten werden“, erklärt Tanya Baumgart vom LVR-ABR. Bei Verwendung einer speziellen Mischung wird der flüssige Boden fest, kann aber jederzeit leicht entfernt werden. Auf diese Weise wird die archäologische Stätte vor Schäden durch den Einsturz des Nichts geschützt und steht dann für weitere archäologische Forschungen zur Verfügung, sagen Archäologen.

Quelle: Regionalrat

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