Die Pinakothek der Moderne in München widmet sich dem Fahrrad

WWenn du es kannst, vergisst du es nie. Wer nicht Kind sein konnte oder durfte, wie jene Flüchtlingsfrauen, die sich jetzt hierzulande an der Radsportkunst versuchen, merkt schnell, dass es nicht so einfach ist, gleichzeitig zu balancieren und zu lenken. Aber die Belohnung für die Anstrengung ist vielleicht die genialste Form der Fortbewegung, die der Mensch erfunden hat. Und mit maßgeblicher deutscher Beteiligung: Altbekannt, aber immer wieder gerne erzählt – eine Ausstellung über Fahrräder kann nicht ohne das manuelle Auto beginnen, und die Schau findet auch nicht im Keller der Pinakothek der Moderne statt.

70 Fahrräder sind zu sehen, sie stammen aus dem Bestand der Neuen Sammlung, privaten Sammlern und dem gut sortierten Deutschen Fahrradmuseum in Bad Brückenau. Richard Sappers und Francis Ferrrains faltbares Zoombike (1998/2000) startet im Erdgeschoss, wohl einig, dass dies in erster Linie den Designern obliegt. Ein Versprechen, das nicht ganz gehalten werden kann.

Alter des Diamantrahmens

Kurios ist, dass zwei der wichtigsten Erfindungen des 19. Jahrhunderts ausgerechnet von Forstbeamten gemacht wurden: Der 1785 geborene Karl Drais erfand den Impeller und der acht Jahre jüngere Österreicher Josef Ressel das Schiff Propeller. Aus der Wüste führt der Weg mit ein paar Ästen in das Zeitalter des Diamantrahmens, in dem wir noch leben. Das Hochrad ist nicht nur eine Sackgasse auf dem Weg dorthin. Aber der Transframe taucht immer wieder auf, organische Formen, die das Konzept von gezackten oder geschweißten Rohren sowieso ignorieren.

Auch Lesen :  "Thriller": Sieben Kuriositäten zum meistverkauften Album der Welt

Der Mix umfasst Klapp- und Falträder, Bahn- und Rennräder, Tourenräder und Kinderräder. Natürlich darf das Glücksrad nicht fehlen, denn es fördert die Gedächtnisleistung. Das Gefühl und der Klang von Stützrädern sind seit Generationen ein Synonym. Lange vor dem ersten Auto – für jüngere Leser: der Begriff des 20. Jahrhunderts – war die Sozialisation als Fahrradfahrer, vielleicht verbunden mit einer Liebe zu bestimmten Marken, ein gemeinsames Bindeglied. Es wäre schön, wenn Schau helfen würde, ein altmodisches Wort aus dem Wortschatz zu streichen – das „Fahrrad“.

Resteverwertung nach dem Zweiten Weltkrieg: Der Franzose Reyé Bardet baute dieses Rad aus ausrangierten Aluminium-Flugzeugteilen (1946).


Resteverwertung nach dem Zweiten Weltkrieg: Der Franzose Reyé Bardet baute dieses Rad aus ausrangierten Aluminium-Flugzeugteilen (1946).
:


Bild: Kai Mewes

Denn Fahrradgeschichte ist immer auch relevante Geschichte. Verwendet wurden Holz, Stahl, Aluminium, Magnesium, Titan, Carbon und Kunststoff. Erst 1936 konnten erstmals Aluminiumrohre geschweißt werden, eine von vielen Revolutionen im Fahrradbau. Im Kern des Fahrrads ist das Design des Fahrrads nicht von der Technikgeschichte zu trennen, was den Kurator Josef Straßer so hart zu sich selbst macht. Das Design wirkt oft im Verborgenen, in den Bauteilen, im Detail: Hier leistet der Katalog hervorragende Arbeit, indem er sich Formen widmet, die auf einer Tour nicht ohne Weiteres zu sehen sind. Und natürlich sehen manche Bikes aus wie Konzeptstudien. Kann man damit fahren und vielleicht auch bremsen?

Source

Leave a Reply

Your email address will not be published.

In Verbindung stehende Artikel

Back to top button