Deutschland und Israel – Welchen Schatten wirft ein Spiegel?

Welchen Schatten wirft der Spiegel? Komische Frage, oder? Ich spreche über Israel und was mit meinem Land passiert ist. Lange Zeit stand die einzige Demokratie im Nahen Osten am Abgrund, stets leicht schwankend im Rauschzustand. Die letzte Wahl hat Israel nun an diese Schwelle getrieben.

Aber zurück zur Frage: Welchen Schatten wirft der Spiegel? Übrigens spielt Israel in dieser Metapher einen Spiegel, in den Deutschland gerne hineinschaut und fragt: “Spieglein, Spieglein an der Wand, in aller Welt, wer ist das moralischste Land?”

Bedingungslose Unterstützung aus Deutschland

Für diese Frage gibt es unterschiedliche Motivationen: Einige wollen ihre sorgfältige Anpassung an die Vergangenheit demonstrieren. Zeigen Sie ihre bedingungslose Unterstützung für den jüdischen Staat. Sie jagen Antisemiten unter jedem Baum, ja, sie fällen den Baum komplett, notfalls den ganzen Wald.

Für andere gibt es auf der ganzen Welt vielleicht keine bessere Gelegenheit, für die Schwächsten der Welt zu sprechen, als Israel zu loben. Der Umgang mit der lokalen AfD ist ihnen nicht attraktiv genug.

Nein, sie wollen auf die Barrikaden, um herauszufinden, was ihre Eltern 68 gemacht haben, wofür sie leider zu spät geboren wurden. Der Fluch der Spätgeburt sozusagen.

Die Ergebnisse der Wahl haben begonnen, zu erscheinen

Aber jetzt werfen diese jüngsten Wahlen ein grelles Licht auf Israel, und siehe da! – Das ist alles andere als ein Märchenland. Mit einer künftigen Koalitionspartei, die die rechtsextreme AfD überholen würde.

Das Klischee ist nicht mehr zu hören: Wie das Land aus der Asche des schlimmsten Verbrechens der Geschichte auferstanden ist und so weiter. Wie kann ein Land, das dieses Verbrechen begangen hat, einen Parlamentsabgeordneten tolerieren, der dieses Verbrechen als „Vogelscheiße“ bezeichnet? Die menschliche Natur macht dies möglich.

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Ein potenzieller Koalitionspartner in Israel will die Gleichstellung der LGBTQI-Community wiederherstellen und die kriminelle „Konversionstherapie“ für Schwule wieder legalisieren. Ein anderer – von einem möglichen zukünftigen Minister für Heimatschutz – fragte: „Wem gehört das Haus?“ Die Ankündigung der Kampagne sendete eine unmissverständliche Botschaft an die Palästinenser.

Ein dritter, der entweder Finanz- oder Verteidigungsminister werden sollte, startete einmal eine öffentliche Kampagne für rassisch getrennte Geburtshäuser. Dazu muss die Justiz in Anführungszeichen „reformieren“: Wen wundert es, dass Viktor Orbán nicht als Erster Netanjahu einen Wahlsieg wünschte?

Das Märchen ist zu Ende

Ja, welchen Schatten wirft der Spiegel, Israel? Vielleicht so deprimierend wie alle Demokratien, die in den rechtsradikalen Sturm geraten sind, der unsere Welt erfasst. Israel ist keine Ausnahme. Das erkennen übrigens auch viele jüdische Gemeinden an.

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Sie hassen nicht nur die neue Rhetorik in Jerusalem. Sie ahnen, dass sie die Folgen tragen werden, obwohl sie nichts dagegen tun können, absolut nichts.

Welcher Schatten fällt also in den Spiegel?

Das Märchen ist zu Ende. Liebes Deutschland, schau nicht in den Spiegel, denn es geht nicht um dich. Schau hinter ihm auf den Schatten, von dem niemand frei ist. Und die jetzt alles tun, um diesen Schatten zurückzudrängen.

Ofer WaldmannGeboren in Jerusalem, ist freiberuflicher Autor und Journalist. Er war Mitglied des arabisch-israelischen West-East Diwan Orchestra. In Deutschland spielte der diplomierte Orchestermusiker unter anderem mit dem Rundfunk-Symphonieorchester Berlin und den Nürnberger Philharmonikern. Er promovierte in Germanistik und Geschichte an der Hebräischen Universität Jerusalem und der Freien Universität Berlin. In Vorträgen und Texten spricht Waldmann über deutsch-jüdische, deutsch-israelische und israelisch-arabische Beziehungen.

Porträt des Autors und Journalisten Ofer Waldmann

© h. Alon

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