Centre Pompidou: Wenn gelbe Katzen die Gesellschaft warnen

Es geschah in einer Übergangszeit, am Ende der oft als „Goldenes Zeitalter“ bezeichneten Zeit der Nachkriegsgeschichte, als der Kurator Harald Szeemann eine große Ausstellung über die Entwicklung der Science-Fiction Ende der 1960er Jahre und darüber hinaus inszenierte. die frage ist nach dem zukunftspotenzial der kunst, das der gesellschaft zur verfügung gestellt wird. Die Kunsthalle Bern, das Musée des Arts Decoratifs in Paris und die Kunsthalle Düsseldorf präsentierten die spektakuläre Show, die frei nach dem Autor Ray Bradbury Science-Fiction als „Kunst der Möglichkeit“ hinterfragte.

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Stéphane MALKA, Auto-Defense/Poche de Resistance Active, 2009

Centre Pompidou Metz

Mehrfamilienhäuser in der Grande Arche de la Defense, entworfen von Stephane Malaka

Genau diesem Ansatz wird nun in Metz im Centre Pompidou Rechnung getragen und das Museum nicht nur als Ausstellungsraum genutzt, sondern auch als kristallisierter Ort für zukünftige Debatten, in dem ein Programm aus Debatten, Filmen, Retrospektiven und einem Konzert stattfindet im Gange. , wo die Problematik der Unlösbarkeit des Wohnens unter extremen Bedingungen im Mittelpunkt steht.

Zwischen Irritation und Hoffnung

Kernstück ist nach wie vor eine Ausstellung mit über 200 Werken von den späten 1960er Jahren bis heute, alle ausgewählt mit dem Ziel, die Tore des Möglichen zu durchschreiten. Die Schau „Die Tore des Möglichen“ (bis 23. April 2023 in Metz) versucht, die Verbindungen zwischen der imaginären Welt der Kunst und unserem gegenwärtigen Leben herzustellen. Irritation ist nur ein Teil des Konzepts und Prinzips der Hoffnung, dass die heutigen Aufgaben doch gelöst werden können.

Man kann sich erinnern: Als man noch mit dem Filmemacher Andrej Tarkowski auf dem Weg nach Solaris war, begegnete man in den Weiten des Weltalls der westlichen Kulturtradition. Die großen Klassiker des Essentials wurden auf die Raumstation gebracht und durften die Entfremdung dieser Werte in neuen Settings erleben. Für die zeitgenössische bildende Kunst gibt es noch viel mehr Utopien und Dystopien. Das sagen viele der hier präsentierten Bilder aus. Das Thema Umwelt und Klima steht ihnen als große Lösungs- oder Gestaltungsaufgabe bevor.

Fotostrecke mit 4 Bildern

Aida MULUNEH, Fesseln der Zeiten, 2018

Centre Pompidou Metz

Aida Muluneh, Fesseln der Zeiten, 2018

Kevin MCGLOUGHLIN, Wiederholung, 2019

Centre Pompidou Metz

Kevin McLoughlin, „Wiederholen“, 2019

Jon RAFMAN, Du bist alt auf offenem Feld (Mental Traveller), 2020

Centre Pompidou Metz

Jon Rafman, Du bist alt auf offenem Feld (Mental Traveler), 2020

20 radioaktive Katzen in einem grauen Raum

©1980 Sandy Skoglund

Sandy Skoglund, „Radioaktive Katzen“, 1980

„Wir haben noch die Wahl“

„Noch stehen wir vor einer Entscheidung“, sagt Ausstellungskuratorin Alexandra Müller, die Ausstellungen von der klassischen Moderne bis hin zu Cyberpunk und Afrofuturismus zusammengestellt hat: „Wir können unser Verhältnis zu unserer Welt neu definieren und einen eingeschlagenen Weg verlassen – oder wir bleiben auf dem Pfade, auf denen wir uns befinden, mit den Folgen, die sich daraus ergeben.“

Auf jeden Fall will Müller die Schau als positives Eintauchen in Lösungsutopien verstanden wissen. Die Science-Fiction-Terminologie der Show hat weniger mit Superhelden zu tun als mit einer eindringenden Superspezies, die die Welt von außen bedroht. Die Herausforderung liegt bei den Menschen – und die „Fiktion“ ist hier schon ziemlich nah dran, deren Werke teils ironisch, teils natürlich auch apokalyptisch präsentiert werden, etwa wenn in Sandy Skoglund zwei Dutzend knallgelbe „radioactive Katze.” gehe durch einen grauen Raum. Wenn Sie sich dieses Datum ansehen, werden Sie feststellen, dass das Warndatum aus dem Jahr 1980 stammt, einem der wichtigen Jahre der Anti-Atomkraft-Bewegung. Wie weit die Klimakatastrophe bis ins eigene Zuhause vorgedrungen ist, zeigen andere zeitgenössische Arbeiten – etwa eine Arbeit der palästinensischen Künstlerin Larissa Sansour.

Bild Roboterfrauen von Kiki Kogelnik

Philipp Migate

Kiki Kogelnik, Roboterfrau (1964)

Kogelnik als Beitrag Österreichs

Österreich ist in der Schau mit einer Arbeit von Kiki Kogelnik aus der Mitte der 1960er-Jahre vertreten: „Robot Women“ von 1964 verweist auf spätere Debatten um Geschlecht, Politik und auch die Frage, ob man sich noch für eine feste Geschlechterrolle entscheiden will. Denn Science Fiction sagt auch eines aus: Nichts ist in diesem Genre selbstverständlich, schon gar nicht die Bilder des eigenen Körpers, ja, des eigenen Körpers.

Die Chance der Science-Fiction liegt für die Ausstellungsmacher jedenfalls im Humor, der das Genre für die Öffentlichkeit ans Licht bringt – es ist der Humor, der eine Veränderung der Gewohnheiten bewirkt, so ihre Überzeugung.

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