Bundesweiter Warntag: Behörden sind zufrieden | NDR.de – Nachrichten

Stand: 08.12.2022 15:58 Uhr

Wie gut behördliche Warnungen im Ernstfall funktionieren, wurde heute beim bundesweiten Warntag getestet. Erstmals kam das neue Cell Broadcast-System zum Einsatz. Was waren die Besonderheiten von Niedersachsen, Hamburg, Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern?

Um 11 Uhr löste das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) deutschlandweit einen Testalarm der höchsten Warnstufe 1 über Rundfunk, Fernsehen, Apps und Alarmsirenen aus. Der Testalarm war auf 45 Minuten angesetzt. Entwarnung gab es zum Beispiel über die Warn-Apps Nina und Katwarn. Da es sich um einen Test handelte, mussten die Personen, die die Warnung erhalten hatten, nichts unternehmen.

Bundesamt: Das System arbeitet interaktiv

„Die Testwarnung hat gezeigt, dass unsere technische Infrastruktur stark ist und die technischen Probleme der Vergangenheit gelöst wurden“, sagte Ralph Tiesler, Präsident des Bundesamtes für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK). Das Zusammenspiel der Systeme funktionierte. Für “endgültige Ergebnisse” sei es jedoch noch zu früh. Möglichst viele Menschen sollen den Behörden Feedback geben, daher die Bitte. Dafür hat das BBK a eine spezielle Website und ein Formular in der Nina-Warn-App.

Wie wichtig der Einsatz von Warnsystemen ist, wurde erst kürzlich durch die Flutkatastrophe in Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen im Juli 2021 deutlich. Die Menschen wurden nicht rechtzeitig über die drohende Gefahr informiert. Danach entbrannte eine Debatte über Verbesserungen. Die Bundesregierung hat unter anderem ein Programm zum Aufbau neuer Sirenennetze aufgelegt. Es wurde auch beschlossen, ein nationales System für den sogenannten Zellrundfunk einzurichten.

Cell Broadcast: Keine App erforderlich

Am bundesweiten Warntag wurde das neue Warnsystem, das Ende Februar 2023 als zusätzlicher Warnkanal starten soll, erstmals ausgiebig getestet, viele Handybesitzer haben bereits eine SMS mit Hinweis auf den Test erhalten. Allerdings gibt es viele Endgeräte, die kein Cell Broadcast empfangen können oder bei denen die Nutzer die Funktion noch aktivieren müssen.

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Eine Frau in gelbem Pullover und dunkler Jeans sitzt im Schneidersitz, ihr Handy in der Hand.  © dpa-Bildfunk Foto: Fabian Sommer/dpa

Die Bundesregierung hat den Ausnahmezustand heute erneut geprüft. Neu ist der sogenannte Cell Broadcast – Warnmeldungen aufs Handy. größer

Beim Cell Broadcasting werden Textnachrichten an alle kompatiblen Geräte übermittelt, die in einer Mobilfunkzelle registriert sind, für die die Benachrichtigung gilt. Außerdem sollen die Geräte Ton- und Lichtsignale abgeben, um auf Gefahren wie extreme Bedingungen hinzuweisen. Im Gegensatz zu anderen Warnsystemen wie Nina oder Katwarn benötigen Nutzer keine zusätzliche App, um gewarnt zu werden. Mobilfunk wird bereits in anderen EU-Ländern eingesetzt.

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Außerdem Alarmierung per App, Radio- und Lautsprecherdurchsagen

Am Tag der Warnung wurden aber auch andere Warnsysteme getestet. Die von den Behörden zusammengestellten Warnungen wurden im Radio verlesen und auf Medienseiten im Internet hochgeladen. Sie erschienen auch als Push-Nachrichten auf Smartphones oder auf Werbetafeln im Stadtbild und an Bahnhöfen. Zudem aktivierten die örtlichen Katastrophenschutzbehörden lokale Warnsysteme – etwa Sirenen oder Lautsprecherwagen.

Länderalarmtag: Pannen bei Premiere 2020

Am ersten nationalen Warntag vor zwei Jahren kam es zu einer erheblichen Panne. Die Testwarnung des Bundesamtes für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe verzögerte sich um 30 Minuten. Der damalige Behördenchef musste seinen Posten räumen, Amt und Abläufe sollten neu ausgerichtet werden. Im vergangenen Jahr gab es keinen Warntag, da einige der beschlossenen Änderungen noch nicht umgesetzt waren.

In Hamburg hat “alles geklappt”

In Hamburg lösten alle 123 Reifen im Stadtgebiet einen Probealarm aus. „Alles hat funktioniert“, sagte ein Sprecher der Hamburger Innenbehörde, Daniel Schäfer. Nach Beobachtung des Zivilschutzes wurden die Testwarnungen auch über digitale Plakate und durch den Prozess der Mobilfunkübertragung auf Mobiltelefone verbreitet. Hamburgs Sirenen sind vor allem im Hafengebiet zu hören, das sich von Altona über Mitte und Harburg bis nach Bergedorf erstreckt. Weitere 50 Poller sollen in den nächsten Jahren außerhalb sturmflutgefährdeter Gebiete installiert werden. Sie sollen künftig helfen, die Bevölkerung vor Überschwemmungen im Landesinneren, Starkregen oder anderen Gefahren zu warnen. Die Stadt hatte bereits zum Start der Sturmflutsaison am 8. September eigene Warngeräte getestet. Dazu gehören neben Sirenen, Digitalanzeigen und Warn-Apps auch Geschütztürme und Lautsprecherwagen.

Hamburg hatte angekündigt, die Sturmflutreifen an der Elbe sowie die allgemeinen Maßnahmen des Bundes zu fördern. Das Sirenensignal – ein einminütiger Schrei, steigend und fallend – bedeutet im Notfall: „Es besteht Gefahr! Informieren Sie sich!“ Die Entwarnung erfolgte um 11:45 Uhr mit einem einminütigen Dauerton.

Innenminister sieht MV „für den Ernstfall gewappnet“

Die christliche Ebene des Innenministers von Mecklenburg-Vorpommern zeigte sich zufrieden mit dem Warntag: „Mecklenburg-Vorpommern ist gut vorbereitet. Die Leitstellen der Landkreise und kreisfreien Städte konnten planmäßig erreicht und die bereits vorhandenen und bereits vorhandenen Sirenen gezündet werden technisch gerüstet ist”, sagte der SPD-Politiker. Allerdings können in Mecklenburg-Vorpommern nur 60 Prozent der Bevölkerung im Katastrophenfall durch Sirenen gewarnt werden. 1.600 Medaillen gibt es derzeit – allein in der Landeshauptstadt Schwerin an zwei Standorten. Es müssen 17 weitere Reifen montiert werden. Bezüglich des getesteten Zellausbaus sagte der Minister, es sei wichtig, dass Nutzer Updates herunterladen und Benachrichtigungen in den Einstellungen aktivieren. „Diese Warnroute wird für uns zukünftig ein wichtiger zusätzlicher Baustein sein, um im Katastrophenfall möglichst viele Bürgerinnen und Bürger schnell und direkt zu erreichen.“

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Auch bei einem flächendeckenden Stromausfall, einem sogenannten Blackout, seien alle Behörden, Ministerien und Zivilschutzbehörden den gemeldeten Pegeln zufolge erreichbar. „Als Ergebnis können wir sagen: MV ist für den Ernstfall gerüstet.“

Im Schweriner Landtag unterbrach kurzzeitig das Piepen mehrerer Handys die Debatte. Der Linke-Bundestagsabgeordnete Henning Foerster musste seine Rede zur Lohnentwicklung im Nordosten unterbrechen, nahm sie aber gelassen:

„Der NDR kann dann berichten, dass im Plenarsaal viel Aufregung über den Tagesordnungspunkt herrschte.“
Henning Förster (links)

Niedersachsen: Von „gut geklappt“ bis „Sirenen schwiegen“

In Niedersachsen verlief der Warntag anders. Überall in Hannover piepten Handys, durch die Anzeigetafel in der Haupthalle des Hauptbahnhofs lief ein Textstreifen. Nach Informationen des NDR in Niedersachsen ertönte der Probealarm auch in Zügen. Auch in den Gebieten Goslar, Heidekreis und Emsland wurden Pfeile getestet. Allein im Emsland sollen rund 100 Stützpunkte aktiviert worden sein. Das habe so gut funktioniert, dass sogar Alarmketten von einzelnen Feuerwehren in Gang gesetzt wurden, sagte ein Kreissprecher dem NDR. Zudem informierte die Emsland-App Bürgerinnen und Bürger über den Probealarm.

Im Raum Nienburg heulten dagegen keine Sirenen. Der Distrikt stellt derzeit die Technologie auf einen vollständigen digitalen Empfang um, sagte ein Sprecher. Gleiches gilt für die Gemeinden Edemissen, Hohenhameln und Wendeburg im Kreis Peine. Auch in Braunschweig schwiegen die Sirenen. Hier lief die Warnmeldung durch digitale Dokumentationen.

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Innenminister Boris Pistorius (SPD) sagte, er könne noch keine Bilanz ziehen, aber: „Es gibt keinen solchen Warntag, um zu beweisen, dass es jeder kann.“ Stattdessen wolle man prüfen, „wann es noch nicht funktioniert“ und für den Fall, „dass es noch Lücken im System gibt“.

„Kein Notfall“: Meldeschwelle der Kontrollstelle Oldenburg testet

Die Leitstelle Oldenburg wollte den Warntag nutzen, um ein neues Meldesystem zu testen. Über die Website Keinnotfall.de soll in Zukunft wichtige Ereignisse wie Unwetter melden können, bei denen es nicht um Leben oder Tod geht – zum Beispiel ein überfluteter Keller. Die Notrufnummern sind 112 und 110 zur Entlastung.

Der Minister bittet die Bevölkerung um Mithilfe

Schleswig-Holsteins Innenministerin Sabine Sütterlin-Waack (CDU) appellierte im Zusammenhang mit dem Krieg in der Ukraine und der Energiekrise an die Bevölkerung, bei der Verbesserung des Zivilschutzes mitzuhelfen, Schwachstellen zu erkennen und zu beseitigen. Dazu sollten möglichst viele Menschen Rückmeldungen an die Behörden geben, forderte Sütterlin-Waack. Dafür könnten sie die Angebote des BBK nutzen. Da voraussichtlich nur jedes zweite Gerät ausgelöst wird, sei das Feedback noch wichtiger, sagte Sütterlin-Waack. In Schleswig-Holstein beispielsweise gelten fast alle der rund 2.600 installierten Badges als veraltet. Sie sollen modernisiert und ausgebaut werden – doch dafür scheint das Geld nicht zu reichen.

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